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Pflegereform: Neues Begutachtungsassessement (NBA) zur Ermittlung der Pflegegrade - ein erster grober Überblick

05/01/2017
Veröffentlichungen - NIGGL, LAMPRECHT & KOLLEGEN >>

Bei der Prüfung der sechs Module ist bei der Mobilität zu beginnen. Wichtigstes Kriterium ist hier, wie selbständig der Pflegebedürftige sich in den eigenen vier Wänden bewegen kann. Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob die zu pflegende Person in der Lage ist ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen oder zu wechseln und sich fortzubewegen. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte, wie Körperkraft, Balance oder Bewegungskoordination und nicht die zielgerichtete Fortbewegung. Das Treppensteigen fließt auch in die Bewertung ein, unabhängig davon, ob die pflegebedürftigte Person eine Treppe hat oder nicht.

Im Modul "Kognitive und kommunikative Fähigkeiten" werden Aspekte wie Erkennen, Entscheiden oder Steuern etc. und nicht die motorische Umsetzung, geprüft. Dabei sind auch die Auswirkungen von Hör-, Sprech- oder Sprachstörungen zu berücksichtigen.

Der Unterschied zum Modul Mobilität liegt darin, dass hier keine Aktivität, sondern eine geistige Funktion beurteilt wird. Für die Bewertung ist unerheblich, ob ein zuvor selbständiger Erwachsener eine Fähigkeit verloren hat oder nie ausgebildet hat.

Im Modul "Verhaltensweisen und psychische Problemlagen" werden die Folgen von Gesundheitsproblemen, die immer wieder auftreten und personelle Unterstützung erforderlich machen, bewertet. Der pflegebedürftigen Menschen braucht etwa Unterstützung bei der Bewältigung von belastenden Emotionen (wie z. B. Panikattacken), beim Abbau psychischer Spannungen oder bei Tendenz zu selbstschädigendem Verhalten.

Im Modul "Selbstversorgung" werden zunächst besondere Bedarfsaspekte erfasst, wie künstliche Harn- oder Stuhlableitung oder Störungen der Blasen- und Darmkontrolle. Dann schaut man sich an, ob der Pflegebedürftige etwa beim Baden,Duschen und Waschen der Haare, Anziehen etc. tatkräftige Hilfe braucht. Wenn die pflegebedürftige Person diese nur zu einem geringen Teil selbständig durchführen kann, gibt es wieder Einzelpunkte. Geringfühig selbständig beim Anziehen ist z.B. u.U. wohl die Person, der es noch gelingt Hose, Rock zur Taille selbständig hochzuziehen, auch wenn zuvor das Kleidungsstück noch von einer Pflegeperson über die Füße gezogen werden muss.

Die Einzelpunkte werden dann, wie häufig am Ende der Modulen, erneut gewichtet.

Die Aktivitäten im Modul 5, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, sind dem Themenkreis der selbständigen Krankheitsbewältigung zuzuordnen, und zwar insbesondere der „krankheitsbezogenen Arbeit“, die direkt auf die Kontrolle von Erkrankungen und Symptomen sowie auf die Durchführung therapeutischer Interventionen bezogen ist.

Im Modul 6 "Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte" wird geprüft, ob die pflegebedürftige Person die jeweilige Aktivität praktisch alleine durchführen kann.

Aus der Zusammenführung aller gewichteten Punktwerte pro Modul ergibt sich am Ende der Gesamtpunktwert, der das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit bestimmt und auf dessen Grundlage sich der Pflegegrad ableitet. Ab 12,5 Gesamtpunkten gibt es den Pflegerad 1.

Die zwei weiteren vorhandenen Module fließen übrigens nicht mehr punktemäßig in Ermittlung der Pflegerade ein.

Wegen der Komplexität des Begutachtungssystems, das hier aus Vereinfachungsgründen nur äußerst schemenhaft dargestellt wurde, sollten sich pflegebedürftige Personen und ihre Angehörigen im Vorfeld unbedingt beraten lassen, ggf. auch durch einen Rechtsanwalt. Aufgrund der erheblichen Argumentationsspielräume innerhalb der Module empfiehlt sich auch eine ernsthafte Vorbereitung der Begutachtungstermine mit dem MDK. richter(at)anwaltskanzlei-wue(dot)de 0931/47085337

Hier geht es zu unserem Ressort Pflegerecht: http://www.anwaltskanzlei-wue.de/pages/rechtsgebiete/pflegerecht.php

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